Wie ist eine Burg aufgebaut?

Denkt man an das Mittelalter, kommt einen häufig als Erstes eine wehrhafte Burg in den Sinn. Schließlich waren Burgen bis zur Erfindung des Schießpulvers und der Kanonen das Hauptverteidigungswerk dieser Zeit. Viele dieser Bauwerke sind bis heute erhalten und faszinieren die Menschen nicht nur mit ihrer Jahrhunderte alten Geschichte, sondern auch mit ihren architektonischen Besonderheiten. Deswegen zeigen wir hier den Aufbau einer Burg.

Der Aufbau einer Burg

Auch wenn sich Burganlagen in ihrem Aussehen und ihrem Aufbau unterschieden können, so gibt es doch einige Gebäudeteile und Bauten, die man bei allen Burgen vorfindet:

    • Burgmauer: Um die bestmögliche Verteidigung zu gewährleisten ist die Burgmauer ist an mehreren Stellen durch Türme verstärkt. Zusätzlich befinden sich überall entlang der Mauer Öffnungen, durch die man den Feind beobachten und Steine, brennbares Material (wie Pech und Teer) oder andere Gegenstände werfen konnte. Diese Öffnungen nennt man daher auch Gusslöcher oder Pechnasen.
    • Toranlage: Das Torhaus markiert den zentralen Zugang zum Inneren der Anlage. Zum Schutz gab es eine Zugbrücke und/oder ein Burgtor mit Fallgatter.
      • Zugbrücke: Wurde diese hochgezogen, gab es keine Möglichkeit den Wassergraben zu überwinden und somit die Burg zu erreichen. Zum zusätzlichen Schutz gab es manchmal eine dem Tor vorgelagerte Befestigungsanlage, die Vorwerk oder Barbakane genannt wurde.
      • Fallgatter: Ein Fallgatter war ein schweres Gitter, das aus massiven Holz- oder Eisenstäben bestand und vor einem Burgtor herabgelassen werden konnte. So wurde der Zugang zur Burg versperrt. Der sich im Torhaus befindende Kurbelmechanismus für das Fallgatter wurde strengstens überwacht.
    • Vorburg: Bei dem Aufbau einer Burg liegt zwischen Burgtor und Hauptburg die Vorburg. In dieser befand sich alles, was die Bewohner oder auch die Besucher (Gesinde und Bauern) zum täglichen Leben benötigten, z.B. Scheunen, Ställe, Gesindehäuser sowie Töpfer-, Sattler-, Tischler- und Schmiedewerkstätten.
    • Hauptburg: Die Hauptburg war durch eine zweite Mauer von der Vorburg getrennt und nur durch eine Torhalle zu erreichen. Folgende Gebäude und Bauten zählen dazu:
    • Palas: Das ist das Wohnhaus des Burgherrn, in dem ein großer Saal das Kernstück des Wohnhauses bildet und gleichzeitig als Versammlungsraum und Sitzungssaal diente.
    • Bergfried:Das ist der höchste Turm in einer Burg. Aus Sicherheitsgründen befand sich die Eingangstür im ersten Stock. Erreichen konnte man sie nur über eine Leiter, die bei Gefahr hochgezogen oder zerstört wurde. Da der Bergfried als Zuflucht bei Angriffen diente, befanden sich im Inneren ein weiträumiger Saal, mehrere obere Etagen sowie zwei unterirdische Stockwerke, die den Brunnenschacht, die Vorratsräume und eine Sickergrube für Fäkalien enthielten.
    • Zeughaus mit Marschall: Im Zeughaus waren Vorräte und Kriegsmaterial sowie der Marschall, der der Pferdeknecht und Aufseher über die Tiere war, untergebracht.
    • Kapelle: Weil der Gottesdienst und die Gebete eine wichtige Rolle im Mittelalter spielten, gab es auf der Hauptburg eine Kapelle. Es war in der Regel das einzige Gebäude, das Glasfenster besaß. Einen gebildeten Geistlichen, der auf der Burg den Gottesdienst abhielt, nannte man Kaplan. Dieser war oft mit seinen Kirchendienern der einzige Mensch auf der Burg war, der lesen und schreiben konnte. Deswegen fielen ihm oft weitere Aufgaben zu, wie z.B. die Kinder des Burgherren zu unterrichten.