Hummel, Hummel! – Mors, Mors?!
Frage vom 12.10.2011, 12:36 PM Uhr - gestellt und beantwortet von Olli - Für die Kategorie: Unnützes Wissen - Kommentare deaktiviertWer im Hamburger Raum wohnt oder die Stadt schon einmal besucht hat, kennt den Wortwechsel mit Sicherheit. Eine Person sagt „Hummel, Hummel“ und eine andere erwidert „Mors, Mors“. Ein Gruß, der zu gleichen Teilen stadttypisch und rätselhaft ist und unter Hamburgern dennoch gang und gäbe ist. Was für eine Rolle Hummeln in diesem Zusammenhang spielen und wo dieser Wortwechsel das erste Mal stattgefunden hat, klären wir hier.
Es gehört zu Hamburg wie der Michel, die Hafenarbeiter mit den klassischen Dockers und der typischen Pudelmütze oder die Nacht für Nacht bunt strahlende Reeperbahn - wer mit „Hummel, Hummel“ angesprochen wird, antwortet „Mors, Mors“. Doch was es damit auf sich hat, wissen selbst die meisten Hamburger nicht.
Der Namensgeber: Johann Wilhelm Bentz (1787-1854)
Fest steht, dass dieser Gruß Anfang des 19. Jahrhunderts seinen Ursprung fand, als der Wasserträger Johann Wilhelm Bentz in Hamburg lebte und arbeitete. Den Überlieferungen nach handelte es sich bei Bentz um einen mürrischen und missmutigen Zeitgenossen, der bei den Kindern der Umgebung schnell unbeliebt wurde, eine Menge Neckereien und Schabernack ertragen musste und schnell nur noch bei dem Spitznamen Hans Hummel genannt wurde.
Als Erklärung für diesen Spitznamen kommen verschiedene Varianten in Frage. Die am meisten verbreitete Version besagt, dass vor Johann Wilhelm Bentz ein gewisser Daniel Christian Hummel in der kleinen Wohnung in der hamburger Neustadt gewohnt habe, der als Stadtsoldat tätig war und sich mit seinen Geschichten großer Beliebtheit bei den Straßenkindern erfreute. Als dieser nun verstarb und der mürrische Wasserträger die Wohnung übernahm, riefen die Kinder ihm auf der Straße ein „Hummel, Hummel“ hinterher.
Eine weitere Variante der Geschichte sieht den Ursprung in dem Hamburger Wort „Griephummer“, das als Spottname und Beleidigung für die damaligen Gerichtsdiener in der Stadt kursierte, die gesuchte Verbrecher ergriffen.
Auch die Hummel selbst gilt als möglicher Namensgeber. Mit seinen schwerer Wassereimern beladen und dem ständig eiligen Tempo wirkte Bentz, so die dritte Begründung für den Spitznamen, wohl wie eine Hummel auf die Kinder.
„Klei mi an Mors…“
Klarer ist dagegen der Gegengruß, den Johann Wilhelm Bentz, bekannt als Hans Hummel, den Kindern entgegen brachte. Wenn diese wieder einmal um ihn herumtänzelten und „Hummel, Hummel“ riefen, blieb ihm, beladen mit seinen bis zu 30 Kilogramm schweren Wassereimern, nichts anderes als ihnen „Mors, Mors“ zu entgegnen, was als Kurzform des plattdeutschen Ausrufs „Kiel mi an Mors“ fungierte, und entschärft übersetzt soviel wie „ihr könnt mich mal“ bedeutete.
So erlangte der grimmige Wasserträger weit über seine Zeit reichende Berühmtheit, die sich bis heute fest im Hamburger Wortschatz verankert hat.